
Stephen Ammann
stellvertretender Leiter Arbeitgeberpolitik und Recht des Schweizerischen Baumeisterverbands.
Vizepräsident des Paritätischen Vereins Informationssystem Allianz Bau (ISAB)
ISAB als effizientes Instrument im Vollzug – auch für Bauherren
Baustellen gehören zu jenen Arbeitsplätzen in der Schweiz, bei denen die Lohn- und Arbeitsbedingungen am häufigsten kontrolliert werden. Das Informationssystem Allianz Bau (ISAB) unterstützt die Kontrollen erfolgreich. ISAB hat seit dem Produktivstart im April 2019 den Vollzug von allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträgen in der ganzen Baubranche massgeblich verbessert und modernisiert. Was vor fünf Jahren mit dem Zusammentragen von Informationen zu rund 1‘000 Betrieben im Bauhauptgewerbe begonnen hat, hat sich inzwischen als wichtige und aussagekräftige Informationsplattform für die Durchsetzung von allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträgen etabliert. Aktuell führt ISAB gesicherte Informationen über Unterstellungen und erfolgte Kontrollen von mittlerweile mehr als 45‘700 Betrieben.
Firmen, welche die Mindestarbeitsbedingungen nicht einhalten, schaden allen korrekten Betrieben und ihren Mitarbeitenden und verzerren den fairen Wettbewerb. Baustellen gehören zu jenen Arbeitsplätzen in der Schweiz, bei denen das Risiko für Lohnunterbietungen hoch ist. Darum haben insgesamt 15 Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes den Paritätischen Verein Informationssystem Allianz Bau (ISAB) gegründet, dessen System seit April 2019 online ist.
Mit den drei Modulen ISAB-Portal, ISAB GAV-Bescheinigung und ISAB Card schafft ISAB die Voraussetzung, dass zum ersten Mal in der ganzen Schweiz branchen- und regionsübergreifend Informationen zur Verfügung stehen, welche Firmen welchem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt sind, ob sie kontrolliert wurden und ob allfällig notwendige Nachzahlungen geleistet wurden.
Damit hat ISAB erstmals eine nationale Lösung geschaffen, die den Austausch regions- und branchenübergreifender Vollzugsinformationen ermöglicht. Diese ist in einer Bauwirtschaft, die immer mehr gesamtschweizerisch funktioniert, zentral und genau da setzt ISAB an.
Drei Grundpfeiler
ISAB, die datenbankbasierte elektronische Plattform für das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, stützt sich auf drei Grundpfeiler. Dies ist zunächst das ISAB Portal, dessen Datenbasis auf den Vollzugsdaten der Kontrollorgane aufbaut und deshalb eine beispiellose Transparenz gewährleistet. Das ISAB Portal erlaubt einen effizienten Zugriff auf Informationen, ob eine Unternehmung einem allgemeinverbindlich erklärten (AVE) Gesamtarbeitsvertrag (GAV) untersteht und wenn ja, welchem AVE GAV sie untersteht.
Mit der ISAB GAV-Bescheinigung haben sich die Vertragsparteien auf einen einheitlichen Inhalt von effektiv bekannten Informationen aus erfolgten Kontrollen geeinigt. Die ISAB GAV Bescheinigung gibt Auskunft, welchem AVE GAV ein Betrieb unterstellt ist, ob er durch ein Vollzugsorgan kontrolliert worden ist, was das Ergebnis der Kontrolle war und ob noch Nachzahlungen offen sind. Somit erhalten insbesondere Vergabestellen, aber auch private Bauherren transparente und verlässliche Informationen aus dem Vollzug mit einem zusammenfassenden Bescheinigungsergebnis, ob das Unternehmen die GAV-Konformität nachweisen konnte.
Die ISAB Card schliesslich gibt darüber Auskunft, welcher Arbeitnehmer bei welchem Unternehmen arbeitet. Mit deren QR-Code ist es möglich, aktuelle GAV-Bescheinigungs-informationen direkt aus der ISAB-Datenbank sowie die Zugehörigkeit des Bauarbeitenden zu einer Unternehmung sowie dessen GAV-Konformität abzurufen.
Zunehmende Relevanz von ISAB
ISAB ist im Verlauf der letzten fünf Jahre sehr stark gewachsen. Einerseits pflegen mittlerweile die Paritätischen Kommissionen praktisch aller Branchen, die sich auf der Baustelle befinden, ihre Informationen aus dem Vollzug auf ISAB ein, so zum Beispiel das Bauhauptgewerbe, der Holzbau, die Elektrobranche, das Maler- und Gipsergewerbe, die Gebäudetechnik, die Metallbranche oder das Ausbaugewerbe Westschweiz. Aktuell sind die Informationen von über 45‘700 Betrieben und Betriebsteilen auf ISAB geführt.
Aber auch die Wichtigkeit der ISAB GAV-Bescheinigung nahm in den vergangenen Jahren stark zu. Während im Jahre 2019 erst knapp 3‘300 Abrufe zu verzeichnen waren, konnte man bis im Juni 2024 insgesamt über 60‘000 Abrufe von ISAB-Bescheinigungen zählen. Die ISAB-Bescheinigung gewann insbesondere durch eine Anpassung der Entsendeverordnung und der dort festgehaltenen Bestimmungen zur Subunternehmerhaftung per Anfang 2023 weiter an Bedeutung. Mittels dieser Verordnungsanpassung und den ebenfalls Anfang 2023 veröffentlichten Empfehlungen der Expertengruppe des SECO wurde klar, dass eine Bescheinigung als Resultat einer von einem Vollzugsorgan durchgeführten Kontrolle eine höhere Aussagekraft hat als eine Selbstdeklaration des Unternehmens. Die Expertengruppe folgerte daraus, dass dem Erstunternehmer für die Einhaltung der Sorgfaltspflicht im Rahmen der Subunternehmerhaftung empfohlen wird, vom Subunternehmer eine GAV-Bescheinigung – und nicht etwa eine Selbstdeklaration – zu verlangen.
Wichtiges Instrument für Vergabestellen und Bauherren
Mit dem Bewusstsein dieser Erkenntnisse engagierten sich in den vergangenen Monaten der Trägerverein von ISAB sowie deren Sozialpartner, um die Wichtigkeit der ISAB GAV-Bescheinigung und somit insbesondere die höhere Aussagekraft als diejenige einer Selbstdeklaration auch bei der Auftragsvergabe von staatlichen und privaten Akteuren aufzuzeigen. ISAB unterstützt Vergabestellen und Bauherren dabei, routinemässig die Anbieter beim Eingang ihrer Offerte auf die Einhaltung der Arbeits- und Lohnbedingungen zu überprüfen, aber auch die Arbeitnehmenden auf den Baustellen mittels des QR-Codes auf der ISAB-Card auf dessen Identität und Zugehörigkeit zu einem bestimmten Bauunternehmen zu prüfen.
ISAB bietet somit eine Reihe von Möglichkeiten, um dem anspruchsvollen und dynamischen Umfeld in der Baubranche als Bauherr gerecht zu werden und eigene Ziele zum Schutz des fairen Wettbewerbs und der eigenen Reputation zu erreichen.
Stephen Ammann,
stellvertretender Leiter Arbeitgeberpolitik und Recht des Schweizerischen Baumeisterverbands SBV, ist Vizepräsident von ISAB.
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